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Test: Risen 2 – Das Piratenabenteuer im Review

Wir haben für euch Landratten das karibische Freibeuter-Rollenspiel „Risen 2: Dark Waters“ genau unter die Lupe genommen und so genau auf Qualität geprüft, wie wir es auch mit unserem Rum machen. Muss das Spiel bei uns die Planke gehen oder ist es doch ein versteckter Goldschatz?

Risen 2 Logo Test: Risen 2   Das Piratenabenteuer im Review

Story:

Die Hauptstory von „Risen 2“ dreht sich um einen namenlosen Leutnant der spanischen Inquisition, der sich im 18. Jahrhundert mit einer fiktiven Seite der historischen Periode beschäftigen muss – der Befreiung der Titanen, den von Göttern auserwählten Wesen, die zu mächtigen Schöpfern mit göttlichen Kräften wurden, jedoch nach Streit und Ungehorsam ins Innere der Erde verbannt wurden. Seitdem der berühmt-berüchtigte Piratenkapitän Stahlbart einen Schatz mit magischem Inhalt gehoben hat, wütet die Titanin Mara in den Weltmeeren und lässt ihre Schergen Strände verwüsten, Schiffe verschlingen und Angst verbreiten. Und mit eben einer solchen Katastrophe beginnt „Risen 2: Dark Waters“.

Euer namenloser Held wird von einem Kameraden aus der Ruhe gerissen, die er sich zum Schlürfen eines Grogs genehmigt hat. Es laufe ein Schiff auf den Hafen zu, man solle doch bitte auf den Aussichtsturm gehen und ein Auge auf das Geschehen werfen. Dort angekommen werden wir Zeuge, wie aus der Tiefe des Meeres lange Fangarme geschossen kommen und sich um das große Schiff wickeln. Mit einem Ruck reißt die Riesenkrake das Heck des Bootes unter die Wasseroberfläche und lässt den Rest langsam folgen. Man wird aufgefordert, gefälligst am Strand nach Überlebenden zu suchen und diesen zu helfen. Nach einem kurzen Fußweg entdecken wir am Strand eine einzelne Dame in einem roten Dress, die sich gegen drei Sandteufel, im Grunde Anglerfische mit Beinen, wehrt. Wir eilen ihr zu Hilfe und stellen nach dem Gefecht fest, dass es sich um Patty handelt – einer Tochter von Kapitän Stahlbart und einer alten Freundin. Sie hatte sich auf den Weg nach Caldera, der letzten Festung der Inquisition, gemacht, um von ihrer Entdeckung zu berichten – sie weiß von einer Waffe, die die wütenden Titanen stoppen und für Ruhe auf den Weltmeeren sorgen kann. Als Undercoveragent sollt ihr euch bei den Piraten Stahlbart’s einschleusen und die magische Waffe finden, um dem Terror der Titanen ein Ende zu setzen. Unter dem Deckmantel eines zwangsdesertierten Ex-Inquisitionssoldaten macht ihr euch auf den Weg auf die Insel Takarigua, an welcher Stahlbart gerade Anker setzte, um bei ihm anzuheuern. Vorher müsst ihr natürlich noch, ganz rollenspieltypisch, Botengänge und Nebenaufgaben erfüllen, um die nötigen Voraussetzungen zu schaffen.

Gameplay:

„Risen 2: Dark Waters“ merkt man schnell an, dass es aus Händen erfahrener Rollenspiel-Entwickler stammt: Das deutsche Studio Piranha Bytes entwickelte bereits die Rollenspiel-Klassiker-Reihe “Gothic”, die gegen Ende aber leider eher durch Negativschlagzeilen auffiel. Der Neubeginn mit der „Risen“-Franchise hingegen lief wieder erfolgreich ab und man fuhr Wertungen um die 8,5/10 ein – ein recht ordentliches Ergebnis. Wir können euch jedoch schon jetzt sagen, dass „Risen 2: Dark Waters“ nicht an die Qualität des Vorgängers anknüpfen kann.

An sich ist „Risen 2“ ein sehr „klassisches“ modernes Rollenspiel – viele Freiheiten, große, offene Areale, unzählige Nebenbeschäftigungen, aufgeblasene Hauptstory. Problem dabei ist leider, dass man anfangs von eben diesem Umfang überrumpelt wird, da es so gut wie keine Erklärung und Tutorials gibt. Klar, in einem auf Hardcore-Gamer zielenden Spiel sollte nicht jedes kleine bisschen Inhalt erklärt werden, jedoch sollten elementare Mechanismen erklärt werden. So muss man in den ersten fünf Minuten des Titels sein Schwert holen, um die gestrandete Patty auf dem Strand zu retten. Zieht man dieses jedoch noch innerhalb der Stadtmauern aus der Scheide, wird man sofort aufgefordert, dieses wieder wegzustecken – doof nur, wenn man nicht weiß, wie. Nachdem man zwei Kugeln aus den Gewehren der Wachen kassiert hat, geht man ins Menü und sucht sich die richtige Taste heraus. Einfacher wäre es gewesen, hätte man beim Ziehen des Offiziersschwertes eine Meldung bekommen, dass „X“ zum Wegstecken der Waffe dient – es sind manchmal die kleinen Dinge, die das gewisse Etwas ausmachen.

Die Kampfmechanik an sich ist gut gelungen, jedoch haben wir auch hier einige Probleme. Das Spiel visiert automatisch den Feind an, durch einen Druck auf die „Viereck“-Taste führen wir einen Angriff aus. Kämpfen wir gegen einen Feind, ist das einfach, sobald aber zwei wild herumspringende Affen um uns herumtanzen, hat das Spiel plötzlich Probleme, sich für ein Ziel zu entscheiden. So springt man plötzlich in der Mitte eines Angriffs auf einen Gegner zu, der einem vor Millisekunden noch im Rücken stand. Das kann teilweise kampfentscheidend sein, da wir so nicht gezielt die gegnerischen Schadenslieferanten erledigen können. Glücklicherweise sind wir zu Beginn des Titels zusammen mit Patty unterwegs – diese weiß sich mit Schwert und Pistole zu verteidigen und sorgt mit ihrer Beteiligung für ordentliche Rückendeckung. Man nutzt sie jedoch zu gern als schlagfertigen Köder, um sich hinter Feinden zu positionieren. Mit ihrer hohen Widerstandsfähigkeit und ihrer mächtigen Pistole ist sie anfangs unersetzlich.

Wir finden jedoch, dass am Anfang auch Gegner enthalten sein sollten, die man ohne Unterstützung ohne große Mühe erledigen kann – jedoch sind schon die Warzenschweine, die wohl schwächsten Gegner, bei etwas Unvorsicht schnell Grund für den Verlust von mehr als der Hälfte des Gesundheitsbalkens. Dass man diesen Verlust durch das Essen von Proviant oder Kippen von Grog und Rum wieder ausgleichen kann, wurde einem auch nicht erklärt. Unglücklich ist es aber auch, wenn sich unsere Begleitung nach einem Spaziergang durch den Dschungel auf einmal unangekündigt verabschiedet und für mehrere Minuten nicht aufzufinden ist. Dann, plötzlich, nach einer Schnellreise, da kommt die gute Patty auf uns zugelaufen und guckt uns mit ihrem Käsegesicht so an, als wäre nichts gewesen. Zwar ist das keine große K.I.-Katastrophe, jedoch trotzdem recht unangenehm, da man sie auch zum Beenden einer Nebenquest braucht.

Trotz der Mängel gibt es natürlich auch Features, die uns gut gefallen haben: Beispielsweise ist das Erfahrungs- und Skillsystem interessant gestaltet. Ihr erhaltet für diverseste Aktionen, vom Erledigen von Quests bis zum Töten einer Ratte, Ruhm-Punkte. Sobald ihr genug von diesen habt, dürft ihr euch im Charakter-Menü ein Attribut aussuchen, welches ihr steigern wollt. Das wiederum wirkt sich auf eure Talente aus: Das Attribut Klingen wirkt sich auf „Hiebwaffen“, „Stichwaffen“, „Wurfwaffen“ aus, Feuerwaffen auf „Musketen“, „Pistolen“ und „Schrotflinten“, Härte auf „Einschüchtern“, „Kugelsicher“ und „Klingenfest“, Gerissenheit auf „Diebeskunst“, „Schmutzige Tricks“ und „Silberzunge“, Voodoo auf „Ritual“, „Schwarze Magie“ und „Totenkult“. Diese Talente sorgen dafür, dass ihr bestimmte Fähigkeiten erwerben könnt, für welche ihr meist Gold an einen Lehrmeister abdrücken müsst, dafür aber beispielsweise Papageien trainieren oder euch mit etwas Schnaps Mut antrinken könnt. Zwar ist das System zu Anfang etwas langsam, da wir wenig Ruhm-Punkte erhalten, jedoch steigt das durchschnittliche Ruhm-Einkommen schnell. Schade ist aber, dass man für einige grundsätzliche Fähigkeiten teilweise viel Gold zahlen muss – so kann man erst schleichen, nachdem ein inhaftierter Pirat uns für 500 Gold erklärt hat, dass man Gewicht dabei auf die Ballen stützen soll – na vielen Dank auch!

Aber es ist etwas ganz grundsätzliches, das „Risen 2: Dark Waters“ rettet: der Spielspaß. Trotz der vielen Mängel sind die Quests, obwohl sie wenig kreative Standardkost sind, unterhaltsam, die Kämpfe machen trotz Buttonmashing und Ringelpiez-Taktik doch Laune.

Grafik, Sound & Design:

„Risen 2: Dark Waters“ ist auch dem Punkt der audiovisuellen Gestaltung keinesfalls eine Größe in dem Genre. Obwohl das Spiel einige Monate nach Bethesda’s „The Elder Scrolls V: Skyrim“, dem momentan wohl prominentesten Titel im WRPG-Feld, erschienen ist, kann man nur schwer rechtfertigen, was uns grafisch geboten wird. Optisch würden wir die grafische Qualität circa 3 Jahre in die Vergangenheit einordnen, da wir hier teilweise dreist mit offensichtlichen Sprites oder matschigen Texturen konfrontiert werden. Auch die Charaktermodelle glänzen nicht mit hochauflösenden Texturen, die Gesichter der Figuren können im Vergleich zur Konkurrenz nahezu keinem aktuellen Rollenspiel standhalten, da sie matt und eintönig wirken. Helfen tut da nicht, dass ständig die gleichen, teils unnatürlich wirkenden Animationen bei Dialogen abgespielt werden.

Ist man bei der Grafik jedoch nicht zu anspruchsvoll oder ignoriert die Makel einfach so gut es geht, dann bekommt man interessant gestaltete Gebiete mit karibischem Flair, dass Lust auf Urlaub macht. Die großen, offenen Gebiete lassen sich ohne Zwischenladezeiten durchqueren, selbst Häuser und Höhlen können direkt betreten werden.

Das Menüsystem hingegen ist leider keine Glanzleistung: Teilweise zu kleine Texte und Zahlen machen das ohnehin schon wenig intuitive Navigieren von der Couch schwierig, selbst bei knapp 2 Metern Abstand sind einige Objekte wie der Itemzähler schwer zu entziffern.

In Sachen Tongestaltung ist unserer Meinung nach alles korrekt abgelaufen: Die deutschen Synchronstimmen und Dialoge gefallen gut und sorgen dank Abwesenheit von grässlichen Schauspielern und grausamen Übersetzungen für gute Immersion. Auch die Umgebungsgeräusche sind schön und binden den Spieler in die meist tropische Atmosphäre ein. Für den Soundtrack hätten wir uns jedoch einige fröhlich-karibische Rhythmen gewünscht, um für bessere Abwechslung und positivere Stimmung nach den orchestrierten Kampfsequenzen zu sorgen.

Fazit:

Ehrlich gesagt hatten wir uns mehr von „Risen 2“ erwartet – die Ahnen des Titels schrieben immerhin Rollenspielgeschichte, auch der direkte Vorgänger lieferte gute Leistung ab. Jedoch fehlen „Risen 2: Dark Waters“ in vielen Bereichen die Features und Inhalte, die die Vorgänger zu ihrer Zeit zu etwas besonderem gemacht haben. Man vermutet die Anstrengung der Entwickler, wieder etwas Besonderes zu schaffen, jedoch kommt dieses Gefühl einfach nicht beim Konsumenten an. Obwohl „Risen 2“ einiges richtig macht, macht es leider zu viel falsch. Das potente Piraten-Konzept wurde nicht voll ausgeschöpft und ist stattdessen stereotypgeladen, die Grafik kann mit vergleichbaren aktuellen Titeln nicht mithalten. Wer dringend ein angenehmes und annehmbares Rollenspiel für die PS3, ohne brutale Mängel für das Sommerloch sucht, ist mit „Risen 2: Dark Waters“ nicht falsch beraten – ansonsten empfehlen wir die deutlich hochwertigere PC-Fassung oder zu warten, bis der Preis etwas sinkt.

Risen 2 Review Bewertung 7.01 Test: Risen 2   Das Piratenabenteuer im Review

(Hinweis der Redaktion: Die enthaltenen Screenshots stammen aus der PC-Fassung des Titels und entsprechen nicht der Qualität der PS3-Fassung.)

 

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